Dezember 2011 – Februar 2012
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DIE REISE ZUM MOND

Eine fantastische Oper von Jacques Offenbach

Musikalische Einrichtung: Erik Kross
Text: Bettina Bartz
Regie: Gerald Gluth
Ausstattung: Reinhardt Grimm
Lichtdesign: Felix Grimm
Dramaturgie: Bettina Bartz
Musikalische Leitung/Klavier: Robert Nassmacher/Insa Bernds
Es singen und spielen:
Birgit Wagner / Constanze Morelle
Wolfram B. Meyer
Ingo Volkmer


Nichts hat die menschliche Fantasie so angeregt, wie der naheliegende, unerreichbare, geheimnisvolle Erdtrabant – der Mond.
Das ist nicht erst so, seit Jules Verne 1875 in seinem Roman "Von der Erde zum Mond" auf die Idee kam, in einer Kanonenkugel zum Mond zu reisen. Bereits hundert Jahre früher besichtigte ein Erdensohn den Mond - so behauptet es jedenfalls Cyrano de Bergerac in seinem satirischen Roman "Die Reise zum Mond und zur Sonne". Für Offenbach war die Idee von einer Mondreise willkommener Anlass für spritzige Musik und ausgelassenes Spiel mit Rhythmen, Tönen und Geräuschen.
Prinz Übermut nervt seine königlichen Eltern auf der Erde so lange, bis sie ihn auf den Mond schießen. Wunderbarerweise trifft er dort die Prinzessin Fantasie. Beide sind so verschieden wie Tag und Nacht - aber müssen sie sich deshalb bekämpfen wie ihre Eltern? Gibt es vielleicht doch eine gemeinsame Sprache zwischen zwei so seltsam fremden Wesen? Zuschauer mit guten Ohren können sogar ein bisschen Mondsprache lernen.




Kritik des Kulturadio vom RBB

Schlossplatztheater Berlin: "Die Reise zum Mond"
Oper von Jacques Offenbach

Viele Bühnenwerke Jacques Offenbachs harren bis heute ihrer Wiederentdeckung. Dieser Zustand ist insofern unverständlich, als seine zündende Musik voller Witz und Esprit – eine gute Aufführung vorausgesetzt – durchweg für einen Erfolg gut ist, auch wenn er – wie im Falle der Reise zum Mond – in kurzer Zeit eher routiniert Musik abgeliefert hat. 1875 ging es darum, den Erfolg, den Jules Vernes Roman Von der Erde zum Mond hatte, auszunutzen. Das Ergebnis war eine aufwendige Ausstattungs-Revue mit Mondkanone, Vulkanausbruch, Schneeflockenballett und vielem mehr.

Dergleichen von der Aufführung des Berliner Schlossplatztheaters zu verlangen, wäre vermessen: Muss die Off-Theater-Bühne, die gestern ihr 10-jähriges Bestehen feiern konnte, doch nach wie vor um Mittel und Zuwendungen kämpfen. Viel privates Engagement und Selbstausbeutung gehören zum Alltag, und so war die gestrige Premiere vor allem ein Dankeschön an die Freunde und Förderer der Bühne. Da kann es nicht der Ehrgeiz des Theaters sein, große Opern und Operetten nachzustellen. Viele Lorbeeren hat man sich mit Kindertheater-Aufführungen verdient, und in eine entsprechende Richtung ging die Spielfassung des Schlossplatztheaters, die mit drei Sängerdarstellern und Klavierbegleitung auskommt. Eine kindgerechte Geschichte von einer Königsfamilie wird erzählt: Die Eltern sind zerstritten und vernachlässigen den Sohn, und als der zu viel nervt, soll er auf den Mond geschossen werden. Dumm nur, dass die Eltern ebenfalls in der Rakete landen. Auf dem Mond ist vieles anders, aber nur äußerlich: Dort lebt ebenfalls eine zerstrittene adlige Familie, allerdings mit Tochter. Nach vielen Komplikationen gibt es ein Happy End mit drei (!) glücklichen Paaren.

Wie dergleichen mit nur drei Darstellern zu bewältigen ist, bewies Gerald Gluths sehr genau gearbeitete, geradezu detailversessene Inszenierung. Nicht nur die schnellen Kostümwechsel beeindruckten, sondern die Vielfalt an szenischen Möglichkeiten, die für jede Situation sinnvoll genutzt wurde. Von Clownerie über absurdes Theater, Surrealismus bis hin zu Elementen der Commedia dell’Arte war alles vertreten. Einen komödiantischer Höhepunkt bildete die Szene auf dem Mond, in der die Prinzessin ihre Eltern erzieht und diese zu blödsinnigen Spielen nötigt, die diese als im wahrsten Sinne begossenes Gemüse mit angewidertem Gesicht über sich ergehen lassen müssen. Daneben gibt es auch einen wunderbar ruhigen Moment, wenn beide Kinder ihre Liebe zueinander entdecken. Wunderbar sind auch die einzelnen Charaktere gezeichnet: vom überfordert-doofen König über eine hysterisch-herrische Königin bis zum verspielt-unerfahrenen Prinzen. Eine Aufführung, die mit ihren fantasiereichen Details Kinder durchaus bei Laune halten kann – zwei "Mondmonster", die sich als ferngesteuerte Fahrzeuge in Form einer Schildkröte und eines Fantasieprodukts, eine Art Panzer mit Megaphon, entpuppen, sind nur einer von vielen Einfällen. Allerdings dürften v. a. kleine Kinder mit der Fülle und dem Anspruch der Anspielungen und dem teilweise wahnwitzigen Tempo der Aufführung Schwierigkeiten bekommen. Für Erwachsene ist die Produktion ein vergnüglicher Spaß, zumal nie Langeweile aufkommt und in den 75 Minuten mehr Ideen umgesetzt werden als in manch anderer Inszenierung, die drei Stunden dauert.

Erfreulich, dass man sich nicht für singende Schauspieler, sondern für professionell ausgebildete Sänger entschieden hat. Birgit Wagner, Klaus Wegener und Ingo Volkmer bilden ein intonationssicher agierendes Ensemble. Insbesondere Birgit Wagner bewältigt ihre Arien, deren Koloraturen manch gestandenen Opernsänger in Schwierigkeiten bringen können, mit einer bemerkenswerten Schwerelosigkeit, die beim "Mond"-Sujet in doppelter Hinsicht passend ist.

Eine witzige, kurzweilige und v. a. handwerklich hervorragende Inszenierung, die von einer unterfinanzierten Off-Theater-Bühne nicht unbedingt zu erwarten war.

Andreas Göbel, Kulturradio am Morgen

Fotos: © Marcus Lieberenz






















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