ALICE IM WUNDERLAND
Berliner Erstaufführung im Schlossplatztheater
nach Lewis Carroll von Roland Schimmelpfennig
Regie: Regina Schneider
Musik: Mila Morené
Bühne & Kostüme: Reinhardt Grimm
Lichtdesign: Felix Grimm
Es spielen und singen: Marlies Ludwig, Eike-Harriet Riga, Ingo Volkmer
Nichts für kleine Kinder! Fest im Bewusstsein eingegraben durch Disney-Vertrickung und niedliche Buchausgaben, scheint die Geschichte von Alice im Wunderland für kleine Kinder gemacht zu sein. Mitnichten! Roland Schimmelpfennigs Bearbeitung für das Theater zeigt die Vielschichtigkeit und Tiefe der Fragestellungen der Geschichte um das Mädchen Alice. Da sind das Weiße Kaninchen, der Hutmacher, die Raupe, Diedeldei und die Königin, die Alice in Bedrängnis bringen und existentielle Fragen stellen. Wer legt die Regeln fest? Wer bin ich? Fragen, die besonders heranwachsenden, jungen Menschen auf der Seele brennen auf der Suche nach ihrer eigenen Identität, auf der Suche nach sich selbst.
Aber wann hört diese Suche eigentlich auf? Wir meinen, sie hält einen ein Leben lang in Trab. Virginia Woolf meint sogar, Alice im Wunderland sei gar nichts für Kinder soweit wollen wir nicht gehen. Alice stürzt in einen Irrgarten und trifft skurrile Wesen: den Weißen Hasen, der keine Zeit hat, die verrückte Teegesellschaft, bei der es immer fünf Uhr ist. Beim Versuch, vor der Raupe den Erlkönig aufzusagen, versagt sie jämmerlich alles dreht sich nur noch um ein zerbröseltes Brötchen. Sie muss der hysterischen Königin vor Gericht erklären, wer Sie denn eigentlich ist - ein Hummer, ein Vogel oder ein Fisch? Eine Welt voller absurder Spielregeln, die Alice verwirren, aber auch stark machen, da sie sich das Recht zu denken und Fragen zustellen nicht nehmen lässt.
Im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur hat Alice im Wunderland von Lewis Carroll Kultstatus erlangt. Der Autor selbst - sein eigentlicher Name war Charles Lutwidge Dodgson (1832 1898) - ist ein Mythos, ein schrulliger Mathematikdozent, ein Außenseiter, der in der Welt der Erwachsenen stotterte und nur im Gespräch mit Kindern aufblühte.
Fotos: Markus Lieberenz |
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